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Wie gut sind unsere Kinder 8-12 Jahre nach Grundimmunisierung gegen Hepatitis B geschützt? Eine Feldstudie an 285 Kindern und Jugendlichen


– Abstract – B. Huber, I. Brunskole, J. Wenzel, *W. Jilg,Universität Regensburg, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Regensburg

Einleitung

1995 wurde die Hepatitis-B-Impfung von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Kinder ab dem 3. Lebensmonat empfohlen. Die Grundimmunisierung besteht aus drei bzw. bei Verwendung des hexavalenten Impfstoffes vier Dosen, eine Auffrischimpfung ist bislang für Kinder und Jugendliche nicht vorgesehen. Für Personen mit erhöhtem Hepatitis-B-Risiko, wie z.B. medizinischem Personal, empfiehlt die STIKO allerdings eine Auffrischimpfung nach 10 Jahren.

Fragestellung

In Anbetracht der dargestellten Situation tauchte in den letzten Jahren verstärkt die Frage auf, wie es um den Schutz der als Kleinkinder geimpften Jugendlichen bestellt sei und ob nicht auch bei ihnen eine weitere Impfung für die Aufrechterhaltung eines verlässlichen Hepatitis-B-Schutzes notwendig sei.

Methodik

Zur Analyse des Schutzes in dieser Altersgruppe führten wir eine Feldstudie durch, bei der Kinder und Jugendliche 8 bis12 Jahre nach Beendigung der Grundimmunisierung im Säuglings- bzw. leinkindes-alter auf Anti-HBs untersucht wurden. Studienteilnehmern mit Anti-HBs-Werten unter 10 IU/l, die damit nicht mehr in ausreichendem Maß vor einer Infektion geschützt sind, wurden eine Auffrischimpfung sowie eine Anti-HBs-Testung 10 Tage danach angeboten.

Ergebnisse

Von den 285 in die Studie aufgenommenen Kindern und Jugendlichen wiesen 132 (46%) eine Anti-HBs-Konzentration von weniger als 10 IU/l auf (IU steht für Internationale Einheit). 118 von ihnen erhielten eine Auffrischimpfung und wurden 10 Tage später auf Anti-HBs getestet. 109 Teilnehmer (92%) zeigten einen „anamnestic response“ mit Anti-HBs-Werten von unter 10 IU/l, wobei allerdings 6 (5%) nur sehr niedrige Werte zwischen 10 und 20 IU/l aufwiesen. Bei 19 (16%) fanden sich Anti-HBs-Werte von 20-100 IU/l, bei 85 (71%) Werte über 100 IU/l. Die erreichten Anti-HBs-Konzentrationen wiesen eine deutliche Korrelation mit den Ausgangswerten vor der Wiederimpfung auf. So zeigten Probanden mit Ausgangswerten von weniger als 1 IU/l (n=29), 1-5IU/l (n=54) und 5-10 IU/l (n=35) nach der Auffrischimpfung Anti-HBs-Konzentrationen (geometrischer Mittelwert) von 21 IU/l, 445 IU/l und 1073 IU/l.

Diskussion und Schlussfolgerungen

Die Studie zeigt, dass fast die Hälfte der geimpften Kinder und Jugendlichen nach 8 bis 12 Jahren schützende Antikörper verloren hat, dass aber über 90% auf eine Auffrischimpfung reagieren und damit ein spezifisches Immungedächtnis aufweisen, das aufgrund des wissenschaftlichen Kenntnis-standes einen verlässlichen Schutz vor Erkrankung verleiht. Wie lange dieses Immungedächtnis allerdings bestehen bleibt, ist derzeit noch nicht klar; hier sind weitere Untersuchungen notwendig.