Förderpreis

Impfempfehlung im Arztbrief


– Abstract – P. Salavati, J. Glasmacher, S. Krane, L. Sanftenberg, J. Schelling (Institut für Allgmeinmedizin, München)

Fragestellung

Eine kritische Auseinandersetzung und Sensibilisierung der klinisch tätigen Ärzte und Hausärzte mit dem Thema Indikationsimpfungen bei chronisch Kranken ist dringend notwendig, betrachtet man die niedrigen oder auch nicht bekannten Impfraten der betroffenen Patienten. Kliniken spielen im Impfprozess eine oft untergeordnete Rolle während ihnen eine wichtige Rollte in der Versorgung chronisch kranker Patienten zufällt. Durch die Aufnahme von Impfempfehlungen in den Entlassbrief werden klinische Ärzte in den Impfprozess und die Folgebehandlungen chronisch Kranker aktiv miteinbezogen. So wird diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zuteil und zugleich werden die Hausärzte regelmäßig über die aktuell notwendigen Impfungen eines jeden Patienten unterrichtet. Im Rahmen dieser Studie haben wir die Praktikabilität von Impfempfehlungen im Entlassbrief untersucht und die jeweiligen Einstellungen der klinischen Ärzte und Hausärzte gegenüber diesen Empfehlungen und Impfungen im Allgemeinen untersucht.

Material und Methoden

Es wurden 599 Anfragen an die Direktionen der bayrischen Lehrkrankenhäuser und Unikliniken versandt, in welchen wir um Mithilfe zur Studie durch das Anfügen von Impfempfehlungen im Entlassungsbrief chronisch Kranker baten. Hierfür entwickelten wir eine Übersichtstabelle und freie Textbausteine basierend auf den Empfehlungen der ständigen Impfkommission (STIKO) für chronisch Kranke, die individuell in den Arztbrief eingefügt werden konnten.

Um einen Überblick über die Standpunkte klinischer und niedergelassener Ärzte bezüglich den STIKO-Empfehlungen und dem Nutzen von Impfempfehlungen im ärztlichen Entlassungsbrief zu bekommen, wurde zusätzlich je ein Bewertungsbogen für die entsprechende Leitung der klinischen Abteilung und den Hausarzt beigefügt.

Ergebnisse

19 klinische Abteilungen nahmen an der Studie teil, der Anteil der Hausärzte ist aufgrund des Studiendesigns nicht bestimmbar. Die Bewertungsbögen zeigten, dass die Mehrheit der Ärzte (81.3% der klinisch tätigen Ärzte und 88.5% der niedergelassenen Hausärzte) die Impfempfehlungen im Arztbrief als sinnvoll betrachtet und 86.3% der Hausärzte bereit sind diese Empfehlungen auch umzusetzen.

Diskussion

Die Hauptverantwortlichkeit im Impfprozess liegt klar bei den Hausärzten, jedoch möchten viele klinische Ärzte die Aufmerksamkeit auf dieses Thema in Ihren Abteilungen erhöhen. Die geringe Rücklaufquote der an die Klinikdirektionen versandten Fragebögen zeigt die Schwierigkeit bei der praktischen Implementierung der Impfempfehlung im Arztbrief. So ist eine hohe Motivation, ein starkes Interesse am Thema Impfen als Präventionsleistung und ein erhöhter personeller und zeitlicher Aufwand unabdingbar für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsfluss der klinischen Abteilungen.

Schlussfolgerung

Die Integration der klinischen Ärzte im Impfprozess durch eine standardisierte Implementierung von Impfempfehlungen im Entlassungsbrief stellt eine sinnvolle Erweiterung der klinischen Verantwortung gegenüber chronisch kranker Patienten dar. Durchimpfungsraten könnten so schnell und einfach erhöht werden, da sie eine wichtige Informationsquelle für die Hausärzte darstellen.